Modellbau
Filderbahn Bahnhof Möhrigen
Thomas Mörbe's Filderbahnhof
Maßstabsgerecht in 1:87 (HO) hat Thomas Mörbe den Filderbahnhof Möhringen nachgebaut.
Stuttgarter Wochenblatt
Nicht Stuttgart 21, dafür Filderbahn in 20 Modulen Thomas Mörbe und Kollegen bauen Stück für Stück den Möhringer Bahnhof der sechziger Jahre nach
Im Jahr 2000 haben sie damit begonnen, drei Viertel davon sind fertig gestellt, danach wird das Stück Degerloch West in Angriff genommen. 20 so genannte Module müssten Thomas Mörbe und seine zwei Kollegen nachbauen, bis das gesamte Areal der Filderbahn fertig gestellt wäre. Während des Möhringer Herbsts sind im Heimatmuseum drei der zusammenfügbaren Elemente zu sehen, die das Kernstück des Geländes repräsentieren: den Möhringer Bahnhof.
MÖHRINGEN - Es war zwar kein Jugendtraum, aber doch eine Faszination, die vom Möhringer Bahnhof und seiner Umgebung ausging und Thomas Mörbe magisch anzog. Der gebürtige Münsteraner war Anfang der achtziger Jahre nach Stuttgart gezogen. Als gelernter technischer Zeichner erkannte er schnell, dass der Möhringer Bahnhof einst einer der Knotenpunkte in Stuttgart war, wo viel Personennahverkehr, aber auch Transportverkehr abgewickelt worden ist. "Neben dem Hauptbahnhof und dem Charlottenplatz war der Möhringer Bahnhof ein ganz wichtiger Standort."
Noch in den sechziger Jahren fuhr hier die Filderbahn, die die Fahrgäste aus der Stadtmitte in Degerloch abholte und beispielsweise bis fast vor das Hohenheimer Schloss oder nach Degerloch brachte.
Das Gebäude des Möhringer Bahnhofs steht heute noch, doch sein Innenleben und seine Umgebung haben sich in vierzig Jahren verändert. "Früher war hier eine Gaststätte drin, eine Wartehalle und an der Seite befand sich ein Toilettenhäuschen."
Spannend war für den Fahrzeugkonstrukteur bei der Stuttgarter Straßenbahn zunächst einmal die Recherche. "Man stößt hier auf Menschen, mit denen man sonst nicht zusammen gekommen wäre." Diese hätten oft ein großes Wissen zu weiteren Hintergründen. Fündig geworden ist Thomas Mörbe im Archiv der SSB. Ein ganzer Ordner nur mit Plänen, Querschnitten, Grundrissen und deren Umrechnung auf die Modellbahn im Maßstab 1: 87 macht deutlich, wie detailgenau alles berechnet und nachgeahmt worden ist. "Das ist das Besondere: Wir wollen dem Original so nah wie möglich kommen, verzichten manchmal aber vielleicht darauf, alles vollständig abzubilden." Bilder mit Großaufnahmen stellte der Verein Stuttgarter Historische Straßenbahnen, in dem Thomas Mörbe Mitglied ist, zur Verfügung.
In seiner Wohnung im Stuttgarter Westen ist für den Modellbau ein geräumiger eigener Raum vorgesehen. Den vermuteten Kabelsalat findet man hier nicht vor. Stattdessen zeugen Kunstharzfarben davon, dass die winzigen Motorräder, die auf dem Schreibtisch stehen, gerade bemalt worden sind.
Und genau hier beginnt Heimatgeschichte im Stadtteil, die in Möhringen immer auch ganz eng mit Industrie und Wirtschaft verwoben ist. So war in dem Gebäude, in dem heute ein Fliesen-Großmarkt ist, die Motorradfabrik UT der Firma Schwenk und Schnürle untergebracht. Diese war zunächst in Untertürkheim und siedelte sich Mitte der zwanziger Jahre auf den Fildern an. 1968 ging die Erfolgsgeschichte der UT, deren Modelle auch bei Rennen eingesetzt wurde, zu Ende. Das Auto sorgte für mehr Komfort.
Die Begeisterung für die unterschiedlichen fahrbaren Untersätze bringt natürlich auch Thomas Mörbe mit. Vom Güterzug über die Filderbahn bis zur Straßenbahn ist alles dabei, was vor vierzig Jahren am und rund um den Möhringer Bahnhof rangierte. Nur beim Bus, der schon damals von der heutigen Station zum Fasanenhof fuhr, wurde ein klein bisschen geschummelt. "So ein Eineinhalbdecker ist nie in Möhringen gefahren. Aber mir hat er so gut gefallen."
Auch am Sonntag wird das Modell im Heimatmuseum dank des so genannten Faller-Car-Systems seine Runde drehen: Der Bus folgt anhand eines Magnets den in dem Modul verlegten Drähten. Keine Selbstverständlichkeit ist auch die bewegliche Straßenbahn. Damit diese überhaupt Einsatz fähig ist, mussten die Schienen erst einmal zu geschnitten und verlegt werden - kein leichtes Unterfangen, denn bekanntlich handelt es bei der Straßenbahn um Rillenschienen, die in den Boden verlegt werden müssen.
Und wer immer noch glaubt, dass Technik und Kunst sich ausschließen, wird bei Betrachtung der Möhringer Anlage eines besseren belehrt. Die oft nach neuem Plastik glänzenden vorgestanzten Dächer sind so bemalt worden, dass der Eindruck entsteht, Wind und Wetter seien auf ihnen niedergegangen. Die Backsteine der Gebäude sind einzeln herausgearbeitet worden. Über dem gesamten Areal erstreckt sich der Himmel in Form eines bemalten Hintergrunds. "Der ist oval, denn ansonsten hätte der Himmel ja Ecken."
Ob die Filderbahn in 20 Modulen schneller zu verwirklichen ist als Stuttgart 21, ist fraglich. Immerhin arbeiten Thomas Mörbe, Michael Brombacher und Peter Thal seit 2000 an dem aufwändigen Projekt. Doch die Präzision, die hinter dieser Modellanlage steckt, kann sicher von den ganz großen Planern abgekupfert werden.
Übrigens: Für die Umsetzung des Geländes Degerloch-West sind die Hobby-Bahner noch auf der Suche nach Fotos oder Zeichnungen des Areals.kasch
INFO: Zu sehen ist die Anlage sowie Fotografien und Dokumente zum Thema am Sonntag, 9. Oktober, anlässlich des Möhringer Herbsts im Heimatmuseum im Spitalhof.
Auszug aus dem Stuttgarter Wochenblatt am 02.09.2006
